Mein Sohn ist sechs. Er will angeln. Opa hat nicht immer Zeit. Also muss der Papa ran – und der Papa hat keinen Angelschein.
So fangen Projekte bei mir an.
Das Problem: 1.153 Fragen und keine gute Lösung
Die Fischereischeinprüfung in Mecklenburg-Vorpommern: 60 Fragen aus einem offiziellen Katalog von 1.153. Fünf Themengebiete. 45 richtige Antworten zum Bestehen – und in jedem Gebiet mindestens die Hälfte.
Das Gute an M-V: kein Pflichtkurs. Du darfst dich selbst vorbereiten und direkt zur Prüfung antreten.
Das Schlechte: Die Lernangebote. Die kommerziellen Onlinekurse kosten 100 bis 170 €. Die kostenlosen Trainer haben mich nicht überzeugt. Und meine Frau ist Lehrerin – sie hat mir erzählt, dass dieses Jahr auffällig viele ihrer Schüler durchgefallen sind. Trotz Präsenzkurs.
PDFs auswendig lernen wollte ich nicht. Also die naheliegende Frage: Wie lerne ich eigentlich am besten? Fragen üben, Fehler sammeln, Fehler gezielt wiederholen. Genau so ein Tool wollte ich. Gab es nicht. Also gebaut.
Der Bau: eine HTML-Datei, keine Datenbank, kein Framework
Ich bin kein Entwickler. Ich habe 11 Jahre Google Ads gemacht, kein Informatikstudium. Der ganze Trainer ist mit Claude in ein paar Tagen entstanden.
Was dabei rauskam:
- Eine einzige HTML-Datei. 275 KB. Alle 1.153 offiziellen Fragen drin, jede mit Erklärung.
- Läuft als Web-App auf dem Handy – offline, mit Icon auf dem Homescreen, wie eine echte App. Ohne App-Store.
- Merkt sich, wo du warst. Sammelt deine falschen Antworten in einer Merkliste zum gezielten Wiederholen.
- Keine Anmeldung, keine Cookies, kein Tracking. Alles bleibt auf deinem Gerät.
Kein Server-Backend, keine Datenbank, kein WordPress. Für ein Lern-Tool braucht es das alles nicht. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt: Die meiste Software ist zu kompliziert für das, was sie tut.
Was die KI konnte – und was nicht
Ehrlichkeit gehört dazu.
Die KI konnte: den kompletten Code, das Design, die Erklärungstexte zu 1.153 Fragen, die Offline-Technik, später die Landingpage, Impressum, Datenschutz, die SEO-Struktur. Dinge, für die ich früher drei Dienstleister gebraucht hätte.
Die KI konnte nicht: entscheiden. Welche URL-Struktur, damit später 16 Bundesländer reinpassen. Ob WordPress oder statisch. Was aufs Impressum gehört – da stand nach der Sitzverlegung meiner GmbH noch die alte Handelsregisternummer in meinen anderen Projekten, und die KI hat es beim Recherchieren gefunden, bevor ich es wusste. Aber die Verantwortung bleibt bei mir. Und die offiziellen Fragen-PDFs enthalten keine markierten Lösungen – den Lösungsschlüssel habe ich gegenprüfen lassen und im Tool steht trotzdem der Hinweis, Rechtsfragen im Zweifel gegen den offiziellen Simulator zu checken.
KI ersetzt nicht das Denken. Sie ersetzt das Warten auf Leute, die für dich bauen.
Aus dem Lern-Tool wurde nebenbei ein Business
Als das Tool lief, kam der Marketing-Reflex. Keyword-Analyse: „Angelschein“ wird bundesweit häufiger gesucht als „Fischereischein“, die Konkurrenz ist machbar. Domain gekauft, Landingpage gebaut, drei Ratgeber-Seiten dazu, Silo-Struktur für spätere Bundesländer angelegt. Alles statisch, alles an einem Tag live.
Der Plan ist simpel: Das Tool bleibt für immer kostenlos und werbefrei. Der Traffic, der darüber kommt, wird über Ratgeber-Inhalte und einzelne, gekennzeichnete Empfehlungen monetarisiert. Ob das funktioniert? Weiß ich noch nicht. Die Domain ist frisch, die Rankings bei null. In sechs Monaten schreibe ich dir, was daraus geworden ist – mit echten Zahlen, auch wenn sie schlecht sind.
Das Tool findest du hier: fischereischein-trainer.de. Wenn du in M-V deinen Angelschein machst: Der Trainer ist kostenlos – kein Haken, außer denen im Wasser.
Und die Prüfung? Steht noch aus. Ich übe mit meinem eigenen Tool. Wenn ich damit durchfalle, lösche ich diesen Artikel.